Richard König - Stadt Radebeul

Erinnerung an den begabten Bildhauer Richard König

Zum 150. Geburtstag

Groß und ehrwürdig thronen die beiden Großplastiken 'Moses' und 'Johannes der Täufer' in den Altarnischen der Lutherkirche. Beeindruckt hebt ein jeder Besucher den Blick zu ihnen empor. Im Jahr 1897 hatte der Radebeuler Bildhauer Richard König jene herausragenden Kunstwerke für das Gotteshaus angefertigt.

Die enge Bekanntschaft mit den Architekten Rudolf Schilling und Julius Graebner, welche sich als Baumeister der Radebeuler Lutherkirche weithin ein Denkmal setzten, gab Richard König Gelegenheit, sein Können in Form dieser beiden Figuren unter Beweis zu stellen.

Den Grundstein seines künstlerischen Schaffens legte er, 1863 in Leobschütz (Schlesien) geboren, während seines Studiums an der Berliner Akademie der Künste. Später siedelte er nach Dresden über, wo er 1887 eifrig sein Bildhauerstudium fortführte. Dank der großen Begabung weilte der angehende Künstler 1888 für ein Jahr u.a in Florenz und Rom, um sein Talent zu vervollkommnen.

Durch die Pracht des hiesigen Kirchenbaus zu großem Ansehen gekommen, wurde sowohl das Architekten-Duo als auch Richard König mit der Neuerrichtung und Ausschmückung der Dresdner Kreuzkirche betraut, da sie 1897 einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen war. Auch hier waren es wieder Monumentalfiguren - 'Petrus' und 'Paulus', mit denen König die Menschen begeisterte. Leider wurden sie während des Bombenangriffs vom 13./14.Feburar 1945 unwiederbringlich zerstört. Das dritte Gotteshaus, in welchem sich der Bildhauer künstlerisch betätigte, war die Christus-Kirche in Dresden-Strehlen. Hier schuf er zwei Reliefs, 'Jesus mit der Samariterin am Brunnen' und 'Auferweckung des Jünglings zu Nain', welche den Altarraum flankieren.

Neben einigen anderen bildhauerischen Kunstwerken in Dresden, wie beispielsweise am Albertinum, zeugt auch in Radebeul ein weiterer Fassadenschmuck vom Wirken Richard Königs. Die Brunnenanlage an der Nordseite des Lößnitzgymnasiums auf der Steinbachstraße entstammt seiner Konzeption und Anfertigung. Besonders hervorzuheben ist zudem sein emsiges Engagement im 1907 gegründeten Kunstverein für die Lößnitz.

Jedoch sollte Radebeul nicht die letzte Etappe seines Lebensweges sein. Nach einer ca. 20jährigen Schaffenszeit erwählte er sich 1920 zusammen mit seiner Gattin Lucie Oberammergau als Alterswohnsitz. Trotz des beschaulichen, zurückgezogenen Lebensabends in Bayern erinnerte er sich stets gern an das Elbland und sendete zum Winzerfest 1924 die schwelgerischen Grußworte:

"Der lieben alten Lößnitzheimat, (…) so freundlich anheimelnd mit ihren schattigen Gründen, sonnigen Höhen, den geruhsamen Plätzchen an murmelnden Bächen, im rauschenden Wald, so reich an immer neuer Schönheit im Wechsel der Jahreszeiten. Dieser lieben alten Heimat sende ich (…) die herzlichsten Glückwünsche. Möge die Lößnitz und ihr Weinbau insbesondere immerdar blühen und gedeihen!"

Wer könnte sich dem nicht vollen Herzens anschließen.


Maren Gündel, Stadtarchiv

Erschienen in: Amtsblatt Radebeul, Februar 2013.