Gottlob Samuel Flemming - Stadt Radebeul

Gottlob Samuel Flemming – Ein Mensch mit Courage

Kötzschenbroda beging unlängst mit dem Weinfest den festlichen Höhepunkt des Winzerjahres und der Dorfanger verwandelte sich in einen bunten Reigen genussvoller Geselligkeit. So mancher Gast erklomm vielleicht die Stufen der Friedenskirche und genoss den einzigartigen Blick über die Dächer der Stadt auf die Elb- und Weinbergslandschaft.

Das Gotteshaus bildet das Wahrzeichen Altkötzschenbrodas, steht es doch dem Namen nach Denkmal für die Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags 1645 zwischen Sachsen und Schweden. Ein geschichtsträchtiger Platz wie dieser brachte gleichsam bedeutsame Seelsorger hervor, und solch einer war auch Pfarrer Samuel Gottlob Flemming. Als couragiert, rührig und beherzt ging er in die Chroniken der Stadtgeschichte ein. Hochbetagt verstarb er vor 190 Jahren am 23. November 1827 in Zitzschewig. Das Licht der Welt hatte er Oktober 1740 in Lütte nahe Potsdam erblickt, einem kleinen Ort, der damals noch zum Wittenberger Kreis und damit zu Sachsen gehörte. Ab 1753 besuchte er die Fürstliche Landesschule St. Augustin in Grimma. Bereits sein Vater Johann Gottlieb Flemming übte das Pfarrersamt aus, wonach zu vermuten stand, dass der Sohn diesen Fußstapfen folgte. Nach der schulischen Ausbildung widmete sich Gottlob Samuel denn auch der Theologie und wurde als Festungsbauprediger in Dresden tätig. Am 2. Februar 1772 stellte er sich als Vikar des Pastor Behrisch in Kötzschenbroda in Diensten und nahm schlussendlich am 1. November 1773 dessen Stelle ein. Bis ins hohe Alter von 84 Jahren verblieb er in diesem Amt, nahm sich erst im Alter von 82 Jahren seinen Neffen Benjamin Flemming zum Gehilfen. Schon im Jahr 1790 hatte er einen weitläufigen Besitz bei Zitzschewig erworben, die sogenannte Wettinshöhe. Auch seine Ehefrau Johanne Friederike geb. Raschig verfügte über eine Liegenschaft, sie erbte das Dehne’sche Grundstück in der Niederlößnitz. Als sparsamer Pfarrer veräußerte er einen Großteil der kircheneigenen, landwirtschaftlichen Flächen und sicherte der Gemeinde so einen gewissen Wohlstand. Außerdem lebte bei ihm eine ungewöhnliche Sitte wieder auf: Glaskästchen mit Kränzen zur Erinnerung an Verstorbene wurden gegen Gebühr in der Kirche aufgehängt. Gleichzeitig stellte er Mittel für den Kirchenchor und Musikinstrumente zur Verfügung.

Neben seinem Wirken als engagierter Gemeindepfarrer erfährt ein Verdienst wohl die größte Würdigung: „Auf das Gerücht hin, dass sich von Serkowitz her eine Rotte marodierender Franzosen dem Orte nähere, habe der damals amtierende Pfarrer Flemming eine Schar junger, mit Dreschflegeln, Sensen, Heugabeln usw. bewaffneter Bauern aufgeboten und sei mit ihnen dem Haufen entgegengezogen, um ihn von Kötzschenbroda abzuhalten. Den Franzosen habe dies so imponiert, dass sie, Flemming und seiner Schar achtungsvoll folgend, in strengster Manneszucht in den Ort eingezogen seien.“ Dies zitiert Journalist und Heimatforscher Fritz Adolf Theodor Schruth (1827-1946) aus der Schubert’schen Chronik über Kötzschenbroda.  

Nicht alle Nöte des Krieges ließen sich derartig entspannt lösen, vor allem die Einquartierungspflicht machte der Lößnitz schwer zu schaffen und nicht jeder Plünderung konnte Einhalt geboten werden. Auch epidemisch ausbreitende Krankheiten gerieten zum Problem. Flemming hatte zudem in seiner Amtszeit einige Brandkatstrophen im Ort durchzustehen. Einmal breitete sich eine Feuersbrunst in der Niederschänke (heute Goldener Anker) auf eine Vielzahl umliegender Gehöfte aus. Noch schlimmer war der gelegte Brandanschlag eines Feuerteufels, der 1805 innerhalb 1 ½ Stunden dem Straßenzug Altkötzschenbrodas, Kirche, Oberschänke, Vorwerkstraße und Fürstenhain großen Schaden zufügte. Naundorf erwischte es 1822 jedoch am Schlimmsten, es wurde nahezu komplett zerstört. Flemming organisierte sofort eine umfassende Spendenaktion. Der Ruf nach Unterstützung hallte sogar bis in die Leipziger Zeitung (eine der ersten Tageszeitungen überhaupt). Diesen und anderen Verdiensten liegt jene Entscheidung zugrunde, die dem Radebeuler Tageblatt vom 20. April 1935 zu entnehmen war und uns heute noch an das Engagement dieser Persönlichkeit erinnert, nämlich die Umbenennung der damaligen Kötzschenbrodaer Luisenstraße in Flemmingstraße.

 

Maren Gündel, Stadtarchiv

Erschienen in: Amtsblatt Radebeul, November 2017