Dr. Carl Lang - Stadt Radebeul

250. Geburtstag von Dr. Carl Lang – Überlebenskünstler, Schulleiter und ehemaliger Besitzer von „Wackerbarths Ruhe“

„Es war ein reges Leben damals in Wackerbarths Ruhe und das Haus des geistvollen Dr. Lang der Sammelplatz der bedeutendsten Menschen von nah und fern“. Mit diesen frohen Worten erinnerte sich Elise Polko an die von Dr. Carl Lang im Jahr 1816 gegründete Internationale Knabenschule. Zu diesem Zweck hatte der Advokat vorher das Anwesen in Radebeul erworben, nachdem es durch das Justizamt zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben wurde. Am 27. Oktober 1766 in eine gut situierte Familie hineingeboren, bereits sein Vater war in der Juristerei tätig, und seine Mutter kam aus einer Beamtenfamilie, erfuhr Carl Lang eine umfassende Schulbildung. Nach einem Studium des Rechtswesens in Erlangen und Göttingen nahm er sich in seiner Heimatstadt Heilbronn eine vermögende Apothekertochter zur Frau und arbeite als Anwalt. 1796 rief er das Schwäbische Industriekontor ins Leben, welches die Rekonstruktion von Malereien und anderen Kunstwerken abwickelte. Bereits hier wird das Faible Carl Langs zu Kunst und Kultur deutlich, denn nebenher schuf er Dichtungen, Kupferstiche und Illustrationen. Das Epos Ulrich von Hutten wird als sein persönliches Glanzstück gedeutet. Im Laufe seines Lebens publizierte er eine Vielzahl an Gedichten und Erzählungen, übersetzte Fabeln des Griechen Äsop, war Redakteur des 15-Bändigen Werkes „Neue Bildergalerie für junge Söhne und Töchter“, gab 1802 das Konvolut „Tempel der Natur und Kunst“ heraus und vieles mehr.

Leider musste das Kontor 1799 Konkurs anmelden, und Carl Lang sah sich gezwungen vor seinen Gläubigern Reißaus zu nehmen. Unter dem Pseudonym August Lindemann bezog er zunächst Quartier in Hamburg, wo er sich mit der Tätigkeit als Verleger über Wasser hielt. Doch er wurde von seinen Geldgebern entdeckt und musste 1801 erneut eiligst und in aller Heimlichkeit den Rückzug antreten. Als Karl August von Hirschmann ließ er sich in Berlin nieder und wieder sicherte ihm eine Verlegertätigkeit die Existenz. Mithilfe des befreundeten Leipziger Buchproduzenten Karl Tauchnitz vermochte es Lang, seine Notsituation zu überwinden und ein Promotionsverfahren erfolgreich zu durchlaufen. Mit neu gewonnenem Ansehen eröffnete er 1810 in Tharandt bei Dresden eine Erziehungsanstalt.

Im Zwangsversteigerungsverfahren des Anwesens „Wackerbarths Ruhe“ in Radebeul sah der Pädagoge Carl Lang eine gute Möglichkeit, seine Schule zu verlegen und auszubauen. Ein Glücksgriff, wie sich herausstellte, denn die Lehranstalt avancierte zu einem Brennpunkt des internationalen, gesellschaftlichen Lebens im Ort. Bedeutende Persönlichkeiten wie Carl Maria von Weber, Ludwig Tieck oder Jean Paul zählten zu seinen Besuchern.

Nach der Hochzeit seiner Tochter Amalia ernannte er 1821 seinen Schwiegersohn Dr. Carl Vogel zum stellvertretenden Schuldirektor. Trieb eine Vorahnung zu dieser Entscheidung? „Wackerbarths Ruhe“ war der Ort, an dem Carl Lang bereits am 16. Mai 1822 im Alter von 60 Jahren verstarb.

Bei der eingangs zitierten Elise Polko handelt es sich um die Enkelin des Dr. Carl Lang. Weiter resümiert sie: „In dem Arrangement sinnreicher und glänzender Feste war Dr. Lang unübertrefflich. Musikaufführungen, Balletts, Zigeunerlager und Bälle wechselten zur Unterhaltung und Belustigung der Zöglinge und jüngeren Lehrer…“ Dass diese Amüsements neben den üblichen Unterhaltungsgebühren der Schule immense Unkosten verursachen, stellte man erst fest, als die Lehranstalt 1823 Konkurs anmelden und geschlossen werden musste. Dennoch leistete die Lehranstalt einen wichtigen und landesweit anerkannten Beitrag für das differenzierte Bild des Schul- und Erziehungswesens zu jener Zeit, das ebenso vielseitig und facettenreich war, wie der kurvenreiche Lebensweg und das literarische Werk des Dr. Carl Lang.

 

Maren Gündel (Stadtarchiv Radebeul)

 

 

Quellen: Altner, Manfred: Sächsische Lebensbilder 2001; Weiss, Norbert / Wonneberger, Jens: Dichter Denker Literaten aus sechs Jahrhunderten in Dresden 1997.

 

Erschienen in: Amtsblatt Radebeul November 2016