Arno Alexander Krieger - Stadt Radebeul
Winzerfestzug-Bild von Retzsch Postkarte Lößnitzgrundpartie im Herbst

Foto: Stadtarchiv Radebeul

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Arno Alexander Krieger: Moderner Pädagoge und Freund Karl Mays

Jubiläum zum 150. Geburtstag

Porträt Arno Alexander Krieger
Foto: Stadtarchiv Radebeul

Nicht nur heutzutage gilt Bildung als Schlüssel für Kultur, Entwicklung und Erfolg. Auch im 19. Jahrhundert, als Industrialisierung, Technisierung und das Aufkommen der neuen Wissenschaften das aufstrebende Bürgertum begünstigten, wurde Wissensvermittlung als Grundlage allen Fortschritts verstanden. Carl Moritz Krieger reihte sich mit der Gründung der "Krieger'schen Lehr- und Erziehungsanstalt mit Pensionat" Juni 1867 auf Altfriedstein in die Riege jener Pädagogen ein, die bestrebt waren, Kinder und Jugendliche zu unterrichten und zu sittlich-moralischen Menschen zu erziehen. Diese private Bildungseinrichtung wurde später von dessen Sohn Arno Alexander, geboren am 09. Juni 1862, erfolgreich weitergeführt.

Das sächsische Schulwesen war im 19. Jahrhundert in einen wechselvollen Entwicklungsprozess eingebunden, denn gerade in diesem Lebensbereich prallten die unterschiedlichsten Ansichten von Schulverwaltung, Eltern, Lehrern, Städten, Gemeinden und nicht zuletzt der Kirche aufeinander. Dennoch erreichte die Alphabetisierung aller Bevölkerungsschichten 1833 nahezu 100% und ab 1835 wurde eine Schulpflicht aller Kinder von 8-14 Jahren festgesetzt. Auch die Ausbildung der Pädagogen wurde in ihrer Qualität stark verbessert, indem ein 6-jähriges Studium in staatlichen Lehrerseminaren gefordert wurde, wobei das sächsische Seminar weitläufig als das hochwertigste galt.[1]

Die erfolgreiche Lehranstalt des Carl Moritz Krieger sprach vor allem die gut betuchte Radebeuler Klientel an, die sich zunehmend in Ober- und Niederlößnitz niederließ und bereit war, in eine gehobene Bildung ihrer Kinder zu investieren. Der große Zulauf erforderte schließlich den Umzug auf die Meißner Straße  47 (heute 273), denn immer mehr Künstler, Adlige und Hofbeamte siedelten sich an. Doch eine schwere Krankheit beendete 1887 seine Direktorenschaft. Glücklicherweise entschied sein Sohn Arno sein Examen der Theologie in Leipzig aufzuschieben und trat stattdessen das Erbe des Vaters an. Damit wendete er nicht nur die Schließung ab, sondern bewahrte seine unverheirateten Schwestern, welche bis dato in der Lehranstalt wirkten, vor einem wirtschaftlich sehr unsicheren Schicksal. Auch die Eltern der Schüler zeigten ihre Erleichterung in einer selbst gefertigten Fahne, die sie ihm zum Dank überreichten. (heute im Bestand des Stadtarchives Radebeul)     

Flagge
Foto: Stadtarchiv Radebeul

Ansehen sowie Engagement des Vaters und nicht zuletzt seine eigene Schülerschaft im geachteten St. Afra mögen dazu beigetragen haben, dass Arno trotz Ermangelung eines Studienabschlusses die Erlaubnis zur Fortführung der Privatschule bekam. Nach erfolgreichem Bestehen des Theologiestudiums wurde ihm ferner eine pädagogische Zusatzprüfung auferlegt, welche er ebenfalls erfolgreich meisterte. Schließlich verstarb der Vater 27.07.1889 in Kötzschenbroda, und nachdem Erbfolgestreitigkeiten mit den Geschwistern aus der Welt geschafft wurden, oblag ihm die Handlungsvollmacht der Schule. Sogleich setzte er sich tatkräftig für die räumliche Ausdehnung der Lehranstalt ein, mit großzügigen, zeitgemäßen Unterrichtsräumen. Im Zuge dieser Erweiterungsmaßnahmen wurden auf der Meißner Straße mehrere Grundstücke belegt, auch die Privatschule auf Altfriedstein zog mit um: Progymansium (Meißner Str. 47), Knabenerziehungsheim (Meißner Str. 41), Höhere Töchternschule (Meißner Str. 39). Bis zur Schließung lernten in diesen Einrichtungen 108 SchülerInnen. Mit der Ehre, auch die Prinzensöhne des sächsischen Königs zu unterweisen, stieg das Prestige des Hauses stark an. Weiterhin setzte sich Arno im Sinne der neu aufgekommenen Wissenschaften, wie Psychologie, für fortschrittliche Lehrmethoden ein. Den üblichen autoritären Schulalltag ersetzte er mit kreativen Komponenten, wie dem Unterricht an der frischen Luft. So lernten seine Schüler in kleinen Gruppen, führten regelmäßig Theaterstücke auf und bekamen in dieser fördernden, unbeschwerten Lernatmosphäre die Möglichkeit der freien Entfaltung. Der Erfolg gab ihm Recht, denn jeder seiner Schüler hatte das anschließende Abitur bestanden. Auch Karl May war ein begeisterter Freund und Unterstützer Arno Kriegers, er lobt seine Einrichtung im Werk "Der Ölprinz" in den höchsten Tönen. Besonders mit der Töchternschule kam für Arno eine persönliche Bedeutung hinzu, denn hier lernte er die Institutsvorsteherin Lina Wilhelmine Heiser lieben. Sie heirateten 1899, bereits 1900 erblickte der erste Sohn Hans-Harald das Licht der Welt. Sechs weitere Kinder werden folgen.

1903 muss sich die Bildungseinrichtung jedoch der etablierten Konkurrenz in Dresden und Umgebung beugen und die Pforten schließen. Trotzdem leistete die Krieger'sche Lehranstalt einen grundlegenden Beitrag für moderne Unterrichtskonzepte, zeitgemäße ganzheitliche Erziehungsmethoden sowie erstklassige Wissensvermittlung und bereicherte damit das differenzierte Bild des Schulwesens zu jener Zeit.

 

Das Stadtarchiv Radebeul möchte sich bei Elke Latza (geb.Krieger und Enkelin von Arno Alexander Krieger) sowie Jürgen Latza  für die freundliche Übergabe der Familienchronik sehr herzlich bedanken.

Maren Gündel, Stadtarchiv


[1]Moderow, Hans-Martin: Sachsens Volksschule am Ende des Kaiserreichs. Grundlegende Probleme und Dresdner Beispiele, in: Zwischen Reform und Restriktion. Sächsische Schulgeschichte im 20. Jahrhundert, Hrsg. vom Dresdner Geschichtsverein e.V., 27. Jg., Heft 97, 1/2009, S.5-15 (Dresdner Hefte).

 

Erschienen in: Amtsblatt Radebeul im Juni 2012