Der Begründer der Radebeuler Stadtgeschichtsforschung: Adolf Schruth

Die Reformation in Radebeul

Adolf Schruth gehört zweifellos zu den wichtigsten Vertretern der Heimat-Chronisten im Elbland der 20er Jahre. Geboren am 11.02.1872 in Dresden als Sohn des Kaufmannes Theodor Schruth und dessen Ehefrau Anna Johanne, wandte er sich zunächst dem Uhrmacherhandwerk zu. Später engagierte er sich als Redakteur bei der heimatkundlichen Zeitschrift "Die Elbaue" und übernahm die Position des Schriftleiters beim Kötzschenbrodaer Generalanzeiger. Schon damals bildete das Archiv die Basis für heimatkundliches Arbeiten und so verfasste er auf Grundlage des Archivmaterials im Hauptstaatsarchiv Dresden die Chroniken der westlichen Lößnitzgemeinden wie Kötzschenbroda, Naundorf, Niederlößnitz und Ziztschewig. Daraufhin folgte die Berufung zum Stadtchronisten im Jahr 1941. Innerhalb dieses Ehrenamtes schrieb er die Tageschroniken Radebeuls von 1942-1944 nieder. Schließlich verstarb Adolf Schruth am 10. Oktober 1946 und verließ sein geliebtes Elbtal für immer.

Als einer der ersten Heimatforscher bediente sich Schruth einer historisch-kritischen Arbeitsweise, indem er den Archivbestand wissenschaftlich untersuchte und seine stadtgeschichtlichen Werke nach den Maßstäben der Überprüfbarkeit anfertigte.

 

Eines seiner zahlreichen Themen war die Reformation in Kötzschenbroda. Über die Jahre um den Glaubenswechsel herum schreibt er folgendes:

Der regierende Herzog der Bärtige war ein strenger Katholik und "wäre lieber mit seiner Gemahlin bloß ins Elend gegangen, ehe er einem Untertan erlaubt hätte, auch nur im geringsten von der katholischen Lehre abzuweichen". Das neue Bekenntnis konnte erst ab April 1539 durch den Lutheranhänger und Nachfolger Herzog Heinrich Verbreitung finden. So fand ab Juni der erste evangelische Gottesdienst in Dresden statt. Da jedoch der Pfarrer in Kötzschenbroda nicht bereit war, das lutherische Bekenntnis anzunehmen, musste er aus dem Amt scheiden und dem neuen Pfarrherr Veit Hammer Platz machen, der die Parochie Kötzschenbroda wesentlich veränderte. Aufschluss darüber geben die erhalten gebliebenen Protokolle der Visitationen, welche in regelmäßigen Abständen vom Sächsischen Landesherren verordnet worden waren. Als erstes wurde Kaditz ein eigenständiger Pfarrbezirk, getrennt von Kötzschenbroda. Innerhalb Kötzschenbrodas, dem eigentlichen Pfarrgebiet, wurden um die heutige Vorwerkstraße und Fürstenhain neue Bauernsiedlungen errichtet. Außerdem übernahm der Landesfürst neuerdings das Recht, geistliche Stellen zu besetzen (Kollatur). Die ersten Jahre nach der Reformation brachten jedoch zunächst Nöte und Sorgen nach Kötzschenbroda, denn im Zuge des Schmalkaldischen Krieges (1564-1547) scheint es geplündert worden zu sein. Nach 20 jähriger Amtszeit wurde Veit Hammer von Hieronymus Greser abgelöst, welcher die Stelle schon nach 4 Jahren wieder verließ und von Sebastian Fröhlich ersetzt wurde. Unter dessen Amtsführung entstand beispielsweise der Gottesacker-Friedhof. Auch eine neue Schule wurde errichtet, mit dem Schulmeister Peter Schweger, der gern auch liebevoll Schwegerchen genannt wurde. 1580 wurde eine Schulreform erlassen, welche vorschrieb, dass die Jugend nicht nur im Katechismus, in Gebeten und lutherischen Gesängen unterwiesen werden sollte, sondern auch in Lesen und Schreiben. Eine Ausbildung zum Lehrerberuf gab es noch nicht, zumeist wurde die eigene Profession parallel zum Unterrichten ausgeübt.

Doch der Ruf, gerade des neuen kirchlichen Bekenntnisses, war manchmal nicht laut genug, und so mussten Geldstrafen für das Versäumnis des Kirchenbesuches erhoben werden. Außerdem häufte es sich, dass die Bauern im Vorfeld zu sehr dem Bier zugesprochen hatten - sie kamen betrunken in die Kirche. Auch hier musste dem mittels einer patrouillierenden Tagwache Einhalt geboten werden.

Im Jahr 1598 zerstörte eine schlimme Feuersbrunst die Gemeinde, doch zum Glück konnte sie - auch mit Hilfe von Spenden - wieder aufgebaut werden.

Doch nach und nach vermochte sich das neue evangelisch-lutherische Glaubensbekenntnis durchzusetzen, und seit 1892 gibt es in Radebeul die dem Reformer zu Ehren benannte Lutherkirche.

 

Maren Gündel (Stadtarchiv)

(1) Adolf Schruth: Chronik Kötzschenbroda (Teil I)

(2) Stadtarchiv Radebeul Akten S 16-35

(3) Stadtlexikon Radebeul - Historisches Handbuch für die Lößnitz, Hrsg. vom Stadtarchiv Radebeul 2006