Die Badesaison ist eröffnet! Mit Kopfsprung ins Badevergnügen vergangener Zeiten

Im beginnenden Wonnemonat starten traditionell die Freibäder in die neue Saison. Spielt das Wetter mit, bieten Liegewiesen und Wasserflächen wahlweise Abkühlung, Schwimmsport, Badefreuden oder Entspannung. Doch solche Art der öffentlichen Badeanstalten gab es in Radebeul nicht immer, allein schon, weil sich vor der Haustür die Elbe entlang schlängelt.

Die zunehmend wachsende Bevölkerung, ein einsetzender Fremdenverkehr sowie steigendes Hygienebewusstsein und -bedürfnis ließen Ende des 19. Jahrhunderts in der Lößnitz verschiedene 'Wannenbadeanstalten' entstehen. Zur Ältesten gehörte die ehemals "Badhotel" oder auch "Badschlösschen" genannte Gästeunterbringung (Burgstraße 2) in Niederlößnitz, der 1865, vor 150 Jahren, erstmals ein sog. öffentliches Wannenbad beigefügt wurde. Gespeist wurde diese frühe Form allgemeiner Badekultur durch einen eigens in den Berghang getriebenen Stollen, um das quellenreiche Hinterland anzuzapfen.

Zehn Jahre später wandte sich der Oberlößnitzer Gemeindevorstand Friedrich Wilhelm Schönert mit einem Baugesuch für eine ebensolche Badeanstalt an die Königliche Amtshauptmannschaft Dresden, welche aus drei Einzelkammern, einer Doppelkabine, einer Umkleide sowie einer Dachterrasse bestehen sollte. Die späteren Kur- und Genesungsheime "Wilhelmsbad" (1894, Lößnitzstraße 10) bzw. "Nizzabad" (1908, Maxim-Gorki-Straße 21) hatten ihre Anfänge ebenfalls in solchen Wannenbädern

Mit dem ersten befestigten Schwimmbad unter freiem Himmel erfreute der bekannte Radebeuler Baumeister Friedrich Wilhelm Eisold zumindest seine Familie, als er ihr in Serkowitz im Jahr 1878 eine saisonale Badestelle in die Elbe baute. Nur wenig später eröffnete Adolf Hultsch in Kötzschenbroda eine ähnliche Anlage, diese allerdings für die Allgemeinheit. Dank seines Nachfolgers ist diese auch als "Kleinertsche Badeanstalt" bekannt.

1890 übernahm der Fährmann August Görlitz das Eisoldsche Bad und machte es öffentlich zugänglich. Nun erst wurde es verboten, andernorts in der Elbe zu baden. Da es sich um Holzkonstruktionen handelte, waren sie trotz ihrer Position nicht vor Feuerschäden gefeit. Sowohl 1902 als auch 1913 brannte die gesamte Serkowitzer Anlage nieder, wurde 1920 ganz geschlossen, wohingegen in Kötzschenbroda die sich extrem verschlechternde Wasserqualität den Badefreuden 1928 ein finales Ende setzte.                         

Dem ganzheitlichen Naturheilgedanken verpflichtet, der Kurbäder, sportliche Bewegung in leichter Bekleidung unter freiem Himmel sowie Wassertherapie miteinschloss, ermöglichte die Eröffnung den Bilz'schen "Licht-Luft-Bades" 1905 einem breiteren Publikum Zugang zu sommerlichem Badevergnügen. Seit 1912 gibt es das Wellenbad jetzt schon.

Einem plötzlichen Grundwassereinbruch ist es hingegen zu verdanken, dass die 12m tiefe Grube, aus der zuerst Lehm und danach Sand sowie Kies gehoben wurde, 1949 von der Stadt Radebeul erworben und in ein Naturfreibad umgewandelt wurde. Dank vieler ehrenamtlicher Helfer kann seit 1951 im Lößnitzbad Erfrischung und Erholung gefunden werden.

Doch statt einzutauchen, kann man das Wasser ja auch befahren. Heutzutage schon wieder vollkommen aus der Mode gekommen und mit Hartschalen-Booten ersetzt, war die Idee eines Faltbootes als Sportgerät zur Freizeitgestaltung 1914 noch völlig neu, und dessen Einsatz im Elbestrom eine kleine Sensation. So zu lesen im Kötzschenbrodaer Generalanzeiger Mai 1914: "Eine neue, ganz eigenartige Konstruktion dieser Art Fahrzeuge stellen die zusammenlegbaren "Faltboote" dar, die ähnlich wie die Kajaks der Grönländer gebaut sind. Vor einigen Tagen konnte man an der Dampfschiffanlegestelle in Kötzschenbroda den Aufbau zweier solcher Boote beobachten, zu welchem Zwecke sich auch eine größere Anzahl Zuschauer angesammelt hatte. Aus Dresden waren zwei "Wassersportler" erschienen, deren einziges Gepäck aus Rucksack und Handtasche bestand, in denen das Boot untergebracht war. Rasch waren die nötigen Stücke zurecht gelegt und sofort ging's an die Arbeit -die eigentlich gar keine ist- denn spielend lässt sich ein solches Fahrzeug zusammensetzen. Über das entstandene Gerippe -bestehend aus Holzstäben mit Stahlverspannung und Schraubenverschlüssen- wird eine helle Leinenhülle gezogen und angespannt, und fertig ist das Schifflein. Die Boote wurden nun mühelos zu Wasser gelassen […] Dann ging es in schneller Fahrt elbwärts bis nach Gauernitz […] Man kann diese Kajaks unbedingt als ein Ideal für Wassertouren in der Dresdner Umgebung, wie überhaupt für Binnengewässer im allgemeinen bezeichnen."

Ob schwimmend, mit Kopfsprung hineinspringend oder paddelnd- hoffen wir auf einen Sommer, der uns das Wasser nicht ausschließlich nur von oben zuteilwerden lässt.

 

Maren Gündel, Stadtarchiv

 Erschienen in: Amtsblatt Mai 2015