Der besorgte Mitbürger oder die Kunst der Pharmazie. - Stadt Radebeul

Der besorgte Mitbürger oder die Kunst der Pharmazie. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder hiesigen Apotheker…

Eigentlich wollen wir sie nie von innen sehen, und sind doch froh, sie in unserer Nähe zu wissen: die Apotheke!

Mit dicker Schnupfnase und Kopfweh schleppen wir uns hinein, klagen dem Apotheker unser Leid, auf dass er vertrauensvoll um unsere Genesung besorgt sein möge. Bereits die alten Ägypter wussten um die Heilkraft von pflanzlichen und tierischen Stoffen, sogar in prähistorischen Gräbern wurden pharmazeutische Beigaben gefunden.

Ganz so alt ist die hiesige Medizingeschichte nicht, aber immerhin gilt als erster namentlich erwähnter Apotheker Gottfried Irmler, welcher sich 1733 mit 1 Taler Bezahlung eine Grabstelle auf dem Kirchhof Kötzschenbrodas sicherte. 1744 brannte seine Apotheke im Zuge eines Flächenfeuers nieder, sodass er sie an anderer Stelle neu aufzubauen gezwungen war. An die nun auf dem Grundstück Altkötzschenbroda 48 geführte "Alte Apotheke" erinnert heute noch der Name des dort ansässigen Restaurants.

Eine weitere, sehr alte Stätte der Gesundheit lag im heutigen "Bürgergarten", welche auf Christian Friedrich Junker zurückgeht, der sie 1825 gegründet, jedoch nach wenigen Monaten an Johann Gottlieb Straßer verkauft hatte. Da Apotheken in früheren Zeiten privilegiert waren Gewürze, Zucker und daraus hergestellte Produkte zu verkaufen, glichen sie geradezu Gemischtwarenhandlungen. Allerdings veräußerte Straßer schon kurze Zeit später diese an Karl Friedrich Vogel. Mit dem Inhaberwechsel vollzog sich auch ein Ortswechel, der Nachfolger Woldemar Vogel zog 1870 mit der Apotheke auf die Bahnhofsstraße, wo sie auch heute noch unter dem seit 1936 gegebenen Namen Stadtapotheke zu finden ist. Hier sei noch der "Mäusetod"-Entwickler Hermann Ilgen sowie Kötzschenbrodas erster Ehrenbürger Curt Schnabel erwähnt.

Durch den rasant fortschreitenden Bevölkerungszuwachs in der Lößnitz trieben die Gemeindevorstände von Radebeul und Umgebung die Gründung einer weiteren Apotheke energisch voran. Doch auch trotz Einreichung mehrerer Anträge und Unterschriftenlisten sämtlicher Lößnitzbewohner gelang es dem Betreiber Karl Gustav Georgi (1852-1910) erst 1890, vor 125 Jahren und nach über einem Jahrzehnt unermüdlichen Engagements, eine Pharmazie auf der Gellertstraße 18 im heutigen Radebeul-Ost zu eröffnen. Die bis zum Jahr 2013 dort ansässige sog. "Alte Apotheke" wurde dann 1912 von Johannes Varges weitergeführt.

Im gleichen Jahr entstand ferner in Radebeul-Mitte, gegenüber dem "Weißen Roß" die gleichnamige Pharmazie unter Führung von Ernst Richard Matthes. Da auch Gifte gelagert wurden bzw. für die Arzneiherstellung unerlässlich waren, hatten die Apotheker sämtliche der solchen aufzulisten. Das Repertoire reichte dabei von Akonitin bis Zinnsalze. Zudem musste für den Handel mit Giften sonders in einem Fragebogen über Stand und Ausbildung des Apothekers, Größenordnung des Toxinhandels sowie Lagerbedingungen oder Ausstattung penibel Auskunft gegeben werden. Nach dem Tode Varges 1917 fand sich erst 1919 mit Johann Kurt Alfred Müller wieder ein Fachmann für die "Alte Apotheke". Doch die allgemeine Not der Nachkriegsjahre machte auch vor einer Stätte der medizinischen Versorgung nicht halt. Die bittere Winterkälte und der Mangel an Heizmaterial machten es "ganz ausgeschlossen, daß in dem völlig unbeheizten Apothekenraume die Rezepturarbeiten mit der erforderlichen Sicherheit ausgeführt werden können." Diese Umstände gehören nun glücklicherweise der Vergangenheit an.

Bedauerlicherweise scheint jedoch auch gegen aktuell grassierende Volkskrankheiten, wie morbus praejustitia, ignorantia plebs oder furor peregrinus kein Kraut gewachsen zu sein. Da ist wohl immer noch Edukation die beste Medikation!

Für alles andere lesen wir die Packungsbeilage…

Maren Gündel, Stadtarchiv

Erschienen in: Amtsblatt Radebeul Januar  2015