175 Jahre Leipzig-Dresdner Eisenbahn - Stadt Radebeul
Winzerfestzug-Bild von Retzsch Postkarte Lößnitzgrundpartie im Herbst

Foto: Stadtarchiv Radebeul

Foto: Stadtarchiv Radebeul

175 Jahre Leipzig-Dresdner Eisenbahn

Aufbruch in eine neue Zeit

Postkarte Bahnhof Radebeul-Ost
Foto: Stadtarchiv Radebeul

"Am 19. Juli 1838 wurde der regelmäßige Eisenbahnverkehr zwischen Dresden und Weintraube feierlich eröffnet." So einfach jedenfalls steht es in einer Veröffentlichung, die anlässlich des 150jährigen Jubiläums vom Deutschen Modelleisenbahnverband der DDR / Traditionsbahn Radebeul-Radeburg 1988 herausgegeben wurde.

Was dieses Ereignis für unser Radebeul in der zukünftigen Entwicklung bedeuten sollte, ist erst heute abschätzbar.

Zu würdigen ist die private Initiative des Nationalökonomen Dr. Friedrich List (1789-1846), dem es mit einer 1833 gedruckten Schrift "Über ein sächsisches Eisenbahn-System als Grundlage eines allgemeinen deutschen Eisenbahnsystems und insbesondere über die Anlegung einer Eisenbahn von Leipzig nach Dresden" gelang, die Unterstützung der Öffentlichkeit zu gewinnen sowie die sächsische Regierung für dieses Projekt zu begeistern. Dazu wurde die in Sachsen neue Form der Aktiengesellschaft eingeführt.

Bahnhofsvorplatz Radebeul-Ost
Foto: Stadtarchiv Radebeul

Radebeul, damals noch ein kleines unbedeutendes Dorf vor den Toren Dresdens, geriet plötzlich in den Einzugsbereich der ersten deutschen Fernbahn. Viele technische und organisatorische Probleme galt es während der Bauphase zu lösen, wie die Enteignung der benötigten Grundstücke oder den Bau zahlreicher Brücken etc. Am Anfang fand sich in Deutschland beispielsweise kein Hersteller für wichtige Materialien, so dass Schienen, Lokomotiven und sogar Koks aus England importiert werden mussten. Mit dem Eintritt in das Eisenbahnzeitalter schmolzen die Entfernungen auf wenige Stunden, weshalb sich nicht nur der Warentransport vereinfachte, es konnten auch immer mehr Leute ein Reiseabenteuer wagen.

Am 9. April 1839 begann der regelmäßige Personen- und Güterverkehr auf der Gesamtstrecke mit 16 Lokomotiven, 87 Personen- und 47 Güterwagen. Anfangs fuhren täglich nur 2 Züge in jeder Richtung, welche die Strecke in 3 bis 4 Stunden bewältigten. Das wäre mit einer Pferdekutsche nicht möglich gewesen.

Der erste und einzige Halt in der Lößnitz befand sich am heutigen Haltepunkt Radebeul-Weintraube auf Serkowitzer Flur. Das danebenstehende kleine Haus etablierte sich zu einer Wartehalle mit Ausschank, wo die Reisenden und Ausflügler aus Dresden und Umgebung auf die Abfahrt ihres Zuges wartend die gastronomischen Köstlichkeiten genießen konnten. Damit setzte eine Entwicklung ein, die dazu führte, dass die Lößnitz zu einem beliebten Ausflugsziel für Wanderungen und Spaziergängen avancierte. Zahlreiche Gaststätten entstanden und in manchem Besucher und Wanderer keimte auch der Wunsch, sich einen Sommerwohnsitz in dieser wunderschönen Umgebung zuzulegen.  Der Bau von Villen nahm zu und die Bevölkerungszahlen wuchsen. Daneben ermöglichte die Eisenbahn durch den Warentransport, dass in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts eine wachsende und florierende Industrie in Radebeul Einzug hielt.

Postkarte Bahnhof Kötzschenbroda
Foto: Stadtarchiv Radebeul

Schließlich reichte der eine Halt an der Weintraube nicht mehr aus und so hielten die Züge ab 1845 zusätzlich in Kötzschenbroda und ab 1860 auch in Radebeul. Der Bau von Bahnhofsgebäuden  wurde immer dringlicher. In Kötzschenbroda entstand die erste Wartehalle 1868. Das heutige Gebäudeensemble wurde 1896 eingeweiht. Radebeul baute dann 1898 bis 1901 seinen Bahnhof.

Bereits vor 100 Jahren gedachte man der Eröffnung der Leipzig-Dresden-Linie, wie uns der Kötzschenbrodaer Generalanzeiger sowie das Radebeuler Tageblatt wissen lassen. Zur damaligen Jungfernfahrt 1839 wurde die Lößnitz von drei festlich geschmückten Zügen passiert, insgesamt aus 46 Wagen bestehend, jeder mit zwei Lokomotiven bespannt und von den Einwohnern jubelnd willkommen geheißen. In Dresden hatte es an zwei Tagen große Feierlichkeiten gegeben und auf der Rückfahrt nach Leipzig beherbergten die Waggons als vornehmste Passagiere den König Friedrich August II. sowie dessen Bruder, Prinz Johann, nebst Ehefrauen. Nachdem der reguläre Personenverkehr begonnen hatte, konnten Fahrscheine in drei Klassen erworben werden. Das erste Jahr zählte 411 000 Reisegäste, eine Dekade später 520 000, 1869 dagegen über 2 Millionen.

Am 07. April 1914 fand dazu im Kaufmännischen Vereinshaus Leipzig eine Gedenkveranstaltung statt.

 

Annette Karnatz und Maren Gündel

 

Erschienen in: Amtsblatt Radebeul im April 2014